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Um
sich einen Eindruck von Kasendorf und seiner Umgebung zu
verschaffen, begibt man sich am besten auf einen der Aussichtspunkte
rund um Kasendorf. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Am Prelitz,
dem Berg nördlich von Kasendorf, hat man an den meisten Stellen
freie Sicht auf das Kasendorfer Land. Auch ein Spaziergang zum Sonnentempel
am Reuther Berg oder eine kleine Wanderung von der Friesenquelle
aus, die Schlucht hinauf zur Aussichtsrast am Hirschensprung,
verspricht reizvolle Ausblicke in die umliegende Landschaft.
Besonders der „Dr.-Fritz-Hornschuch-Naturpfad“ ermöglicht
mit seinen Informationstafeln einen Einblick in die geologischen und
geschichtlichen Besonderheiten hier um Kasendorf.
Folgen Sie mir jedoch zu dem
markantesten Aussichtspunkt über Kasendorf, dem sich südlich des
Ortes erhebenden Turmberg (498 m) mit seinem Magnusturm.
Nach 20 – 30 Minuten Gehzeit von Kasendorf aus dürften die 100 Höhenmeter
geschafft sein die zum Aufstieg auf den Turmberg nötig sind.
Eine genaue Wegbeschreibung ist nicht nötig, jeder Weg der hier
bergan führt ist der richtige. So steht man dann also auf dem
Bergplateau vor dem 15 m aufragenden Magnusturm mit seinen 3,5m
dicken Mauern. Jetzt noch die 68 Stufen der Wendeltreppe hinauf,
und man
tritt durch den gläsernen Ausstieg heran
an die runde Turmbrüstung.
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Blickrichtung Norden:
Die Ortschaft Kasendorf mit dem Prelitz,
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die Horizontlinie bilden bei guter Sicht
Frankenwald und Thüringer Wald
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Sehen wir die Ortschaft
Kasendorf am Fuße des Turmbergs, so blicken wir über den
Prelitz hinweg ungefähr in Richtung Norden. Wenden wir uns etwas
nach rechts, so liegt das Industriegebiet vor uns, im Vordergrund
erkennt man die ehemalige Bahntrasse, die jetzt als Radweg benutzt
wird sowie die Firmen Alpha Innotec und das Maja-Werk. Dahinter
liegt entlang der Erlenreihen des Friesenbachs die Ortschaft Heubsch.
In 12 km Entfernung erkennen wir unsere Kreisstadt Kulmbach. Lässt
man hier das Auge etwas suchend verweilen erkennt man auf einem
Bergvorsprung, die mächtige Plassenburg. Unser Magnusturm war hier
im späten 15.Jahrhundert als Wart- und Signalturm zwischen der
Plassenburg und der Burg Zwernitz in Sanspareil, die sich genau in
Verlängerung Plassenburg-Magnusturm befindet, eine wichtige
Verbindung in Krisenzeiten.
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Blickrichtung Nordosten: Industriegebiet,
Heubsch, Sandberg, Kulmbacher Land,
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die Horizontlinie bilden bei guter Sicht
Frankenwald und Fichtelgebirge (Fränkische Linie)
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Wenden
wir uns noch ein bisschen weiter nach rechts, finden wir genau östlich
an der Horizontlinie die markanten hohen Erhebungen des 50 km
entfernten Fichtelgebirges, den Schneeberg (1053 m) und den
Ochsenkopf (1024 m) mit ihren jeweiligen Sendetürmen. Leider
verwehren die in letzter Zeit hochgewachsenen Bäume immer mehr den
Blick in dieses geologisch interessante, hauptsächlich aus Granit
bestehende Gebirge. Die Marktgemeinde Kasendorf als Besitzer der
umliegenden Wälder ist jedoch bemüht, zumindest schrittweise die
Aussichtsmöglichkeiten wieder herzustellen.
Was
sich hier vom östlich liegenden Fichtelgebirge am Horizont nach
links fortsetzt, wird geologisch als „Fränkischen Linie“ bezeichnet. Das
Aufeinandertreffen von drei kontinentalen Platten in der Urzeit hat
durch Hebung, Absenkung, Abtragung und Verwitterung diese Gebirgszüge
geschaffen, zu denen das Fichtelgebirge und, im Hintergrund von
Kulmbach beginnend, der Frankenwald gehören.
Vor
dieser Horizontlinie liegt die Obermain-Senke. Um Kulmbach
finden wir die alten aber harten Gesteinsschichten des
Buntsandsteins zu einer Kette von Erhebungen ausgebildet auf denen
auch die Plassenburg ruht. Folgen wir der Ebene aus Richtung
Kulmbach zurück nach Kasendorf, so finden wir in ungefähr noch 3
km Entfernung den Sandberg (die Straße nach Kulmbach überwindet
diese Anhöhe) Hier wurde früher hochwertiger Räthsandstein aus
der Keuperzeit abgebaut.
In
dem kurzen Stück vom Sandberg bis zu den Kasendorfer Höhen finden
wir nun zeitlich geordnet die drei bestimmenden Gesteinsschichten
der Jurazeit um Kasendorf: Lias, Dogger und Malm.
Lias,
auch schwarzer Jura
genannt, ist der leicht verwitternde fruchtbare Boden in der Ebene
vor dem Sandberg. In richtiger Gesteinsform kommt er vielleicht nur
noch an manchen Ackerrändern zur Oberfläche, an denen tief genug
umgegraben wird.
Dogger
oder auch brauner Jura
genannt, ist der braune eisenhaltige Sandstein, der sich z.B. an den
verflachenden Stellen des Prelitz oder des Turmberges befindet. Da
dieser leichter verwittert als der Kalkstein erkennt man ihn als
Fundament dort, wo der Prelitz oder der Turmberg von den steilen
Abbrüchen in die sanfteren Hügel übergeht. Da Obstbäume
gut auf Dogger gedeihen findet man hier ihre Anpflanzungen.
Malm
oder weißer Jura
befindet sich an den oberen Teilen der Kasendorf umgebenden Berge,
es sind die sogenannten Kalksteine, reich an Versteinerungen aus
der Zeit als diese kontinentale Platte noch in der Nähe des Äquators
von einem tropischen Meer bedeckt war.
In
westlicher Richtung blicken wir auf eine Hochebene, die knapp hinter
Kasendorf als
Eingang zur Fränkischen Schweiz
ihren steilen Anstieg findet. Auf dieser Hochfläche befinden
sich z.B. die Orte Zultenberg mit dem
Steilhang und Aussichtspunkt „Görauer Anger“ sowie
Azendorf, wo im
Steinbruch des Kalkwerkes
Bergmann / Maxit diese
Werkkalke zu hochwertigen Baumaterialien verarbeitet werden. Das „Lindlein“
bei Neudorf (südlich) ist die höchste Erhebung in diesem näheren
einsehbaren Bereich (544 m).
Die
zerklüfteten Gesteinsformen des weißen Jura gewähren auf der
Hochfläche dem Regenwasser einen schnellen Abfluss. Aus den
Spalten, Höhlen und unterirdischen Seen nimmt die Friesenquelle
ihren Wasserreichtum, der dem Friesenbach ermöglicht, bei einer durchschnittlichen
Schüttung von 400 Litern pro Sekunde bereits nach 500 m die Mühlräder
und Turbinen der Friesenmühle anzutreiben.
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Die Friesenquelle:
Ca. 500 m nach dem Ortsschild in Richtung Bamberg an der Staatsstraße zufinden
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Blick auf Turmberg von der Friesenquelle |
Mit
der geologischen Besonderheit dieser Quelle verbinden sich
wahrscheinlich auch die geschichtlichen Ereignissen um Kasendorf.
Der
Wasserreichtum und der fruchtbare Boden des schwarzen Jura, wie auch
der Turmberg als natürlicher Schutz vor feindlichen Angriffen
bewirkten eine frühe Besiedlung dieser Gegend. Steinerne
Pfeilspitzen und Steinbeile, die sowohl auf der Jurahochfläche als
auch in der Nähe des Maja-Werkes im Industriegebiet gefunden
wurden, zeugen von
einer Begehung des Kasendorfer Raumes bereits zur jüngeren
Steinzeit (hier um 2000 v.Chr.).
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Wasserreichtum und fruchtbarer Boden sowie
der natürliche Schutz vor Feinden bewirkten eine frühe
Besiedlung dieser Gegend.
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Informationstafeln
zur Vor- und Frühgeschichte um Kasendorf
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Im Abstand von jeweils 400 Jahren kann man nun kurz die
zeitgeschichtlichen Abläufe um Kasendorf erwähnen:
Gewandnadeln und andere Beigaben aus der Bronzezeit (um
1600 v.Chr.) wurden in Hügelgräbern in der Nähe von Reuth und
am Prelitz gefunden. Bei Bauarbeiten des Maja-Werkes im
Industriegebiet wurden 1985 mehrere Brandbestattungen aus der
Urnenfelderzeit um 1200 v.Chr. aufgedeckt. Gegenüber der Straße
nach Kulmbach liegt vom Maja-Werk aus gesehen der Pfarrwald. Hier
sind über 78 Grabhügel aus der Hallstattzeit (frühe Eisenzeit
ab 800 v.Chr.) festgestellt worden. In der Laténezeit (ca. 400
v.Chr.) entstanden dann hier auf dem Turmberg die ersten keltischen
Ringwallanlagen. Aus der dann folgenden Zeit bis zur Völkerwanderung
ca. 400 n.Chr. schätzt man wegen der wenigen Funde, dass nur
eine sehr dünne Besiedlung unseres Raumes stattfand. Erst in der
Zeit Karls des Großen um 800 n.Chr. beginnen hier Ortschaften zu
entstehen und auch der Turmberg wurde in die
Verteidigungsstrategien der jeweiligen Herrscher mit aufgenommen.
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes ist erhalten aus
dem Jahre 1286. Im Jahre 1632 lag ganz Kasendorf, von den Truppen
Wallensteins ausgeplündert, bis auf „gar wenige Häuslein“ in
Schutt und Asche. Die Kirchenbücher, die damals hier auf dem
Magnusturm versteckt wurden gingen verloren.
Der
Markt Kasendorf ist heute eine Ortschaft mit
1000 Einwohnern und 10 umliegenden Ortschaften. Mit
der Nachbargemeinde Wonsees bildet Kasendorf eine Verwaltungsgemeinschaft.
Wir
erkennen im Ortskern an der Kreuzung das Rathaus, das zusammen mit
dem nebenstehenden Fachwerkgebäude den Sitz der Verwaltung bildet.
Wir sehen die Kilianskirche mit ihrem Zwiebelturm, die Schulgebäude
und als Abschluss zum Hang hin die begehrten Baugebiete
am „Prelitz“ und die „Sonnenleite“.
Der kurze Rundblick ist
hier zu Ende. Wenn Sie nun wieder Turm und Turmberg verlassen,
haben Sie jetzt noch die Möglichkeit sich den passenden Rückweg
herauszusuchen. Den
steile Weg führt direkt hinunter zum Friesenbach in Richtung
Ortschaft. Über die weitläufigen „Turmwiesen“ an der
von der Ortschaft abgewandten Seite des Turmbergs ist der Rückweg
etwas bequemer. Der Dr.-Fritz-Hornschuch-Naturpfad, der
zwischen Pfarrwald und Turmberg angelegt wurde, ist mit 40 Hinweistafeln
aus Geologie und Geschichte ausgestattet. Diesen können Sie weitere
Informationen entnehmen.
(c)
Rainer Friedmann
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