Aus der Geschichte Kasendorfs
Bevor der Ort an die Herren von Meran gelangte, stand Kasendorf unter der
Herrschaft der Walpoten, deren Stammburg die Zwernitz war. Nachdem
Otto II., Herzog von Meran, 1248 auf Burg Niesten verstorben war, gelangte
der Ort durch Kauf an die Förtsche, ehemalige Dienstmannen der Meranier.
Bild: GeschichteUrkunde1286
Die Förtsche, die sich nach der ihnen anvertrauten Burg auch
“von Menchau“ nannten, gelang es, teils durch Rodung in dem weiten
Waldgebiet zwischen Fränkischem Jura und Main, teils durch Kauf, bis zum
Ende des 13. Jhdts. die freieigene geschlossene Herrschaft Thurnau
aufzubauen,
zu der im 14. Jhdt. neben den drei Burgen Thurnau. Peesten und Heubsch
auch die Dörfer Berndorf, Döllnitz, Felkendorf, Hörlinreuth, Kasendorf,
Limmersdorf und Menchau gehörten. Dazu wurden noch 1368 die walpotischen
Dörfer Azendorf und Welschenkahl sowie 1395 vom Kloster Michelsberg
Buchau erworben.
Als Nachfolger der Walpoten, die den Blutbann in der Cent Zwernitz ausgeübt
hatten, besaßen die Förtsche die Hochgerichtsbarkeit über die
geschlossene Herrschaft Thurnau.
Hatte schon 1392 der Bamberger Bischof Lamprecht von Bamberg aufgrund
eines 1292 mit den Förtsch geschlossenen Vertrages war das Hochstift
Bamberg Lehensherr über die Burg Thurnau geworden die Hochgerichtsbarkeit
der Förtsche ausdrücklich anerkannt, so verbriefte König Wenzel am 26.
Okt. 1397 Mertein Fortsch und seinen Erben, dass sie „zu Turnow ein
Halsgericht mitnahmen Stock und Galgen haben und damit richten und gefaren,
als recht ist, und dazu fride und geleyte um totslege und um schulde
geben sollen“.
Schnell stieß jedoch die kleine Adelsherrschaft auf den Widerstand der
zollernschen Burggrafen von Nürnberg die durch Erbgang die vormals
meranische Herrschaft Bayreuth erhalten, ferner Berg und Herrschaft
Zwernitz 1290 von den Grafen von Orlamünde, den Nachfolgern der verarmten
Walpoten, erworben und sich schließlich 1338 durch den Erbvertrag des
Grafen Otto VII. von Orlamünde die Herrschaft Plassenburg gesichert hätte.
Obwohl sie der Bamberger Lehensherrschaft unterstanden, wollte Albrecht
und sein Sohn 1307 ihre gesamte Herrschaft gegen 1000 Pfund Haller an den
Burggrafen Friedrich IV. von Zollern verkaufen. Als Unterpfand für die
Einhaltung des Kaufvertrages vom 25. Juni 1307 versetzten die Förtsche 3
ihrer Dörfer, darunter auch Kasendorf. Als der Bamberger Bischof
Wulfing seine Zustimmung zum Kaufvertrag verweigerte und obwohl er die
Konventionalstrafe von 1000 Pfund Hallern selbst übernahm, büßten die Förtsche
ihr Dorf Kasendorf ein.
Kasendorf erhält das Stadtrecht
Am 22. April
1328 erlaubt Kaiser Ludwig der Bayer den Burggrafen von Nürnberg,
“Katzendorff“ zu einer durch Graben und Mauer befestigten Stadt zu
machen, “dass sie darinnen vollkömmliche Gewalt des Blutgerichts mit
aller Zugehörung desselben haben, auch einen offenen Wochenmarkt ...
aufzurichten und die vorgenannten 6 Flecken“ (womit außer Kasendorf u.
a. noch Wonsees und Wunsiedel gemeint sind) “friedsam aller Gnad,
Freiheit und Recht welche bisher auch die Stadt Nürnberg gebraucht hat,
und forthin gebrauchen wird, auch gebrauchen und genießen soll“.
Durch die
Ausstattung mit den genannten Privilegien, die 1355 durch Kaiser Karl IV.
bestätigt wurden, trat “Kaszendorf“ (1391) in Wettbewerb mit dem
benachbarten Markt Thurnau, dem wohl bereits 100 Jahre früher das
Marktrecht verliehen wurde und der sich unter den Förtschen rasch weiter
entwickelte. “Doch gelang es Kasendorf nicht, sich zur Macht einer
festen Stadt zu erheben, es verharrte im Stande eines Marktes“.
An sein Marktrecht
erinnert noch heute die 1737 auf dem Brunnen errichtete
Sandsteinfigur, ein Herkules, der sich auf den Schild mit dem Marktwappen,
Hohenzollernschild und Katze, stützt.
Nachdem „Cassendorf“ 1385 in der Landesteilung des Burggrafen
Friedrich dem “oberen Lande“ zugeschlagen wird und bereits l40l ein
burggräfliches Amt (officium) besitzt, spricht eine Lehensurkunde von
1421 von einem “Gütlein hinter dem Dorf zu Kassendorf“, während 1427
von einem Fahrweg von Lindenberg nach Kazenstat die Rede ist.
Im Jahre 1430 wird Kasendorf durch die Hussiten verwüstet, die ihr
Lager für einige Zeit in Zwernitz aufgeschlagen hatten und wo ein frührer
Prokop für das Hochstift Bamberg gegen ein hohes Lösegeld abgeschlossen
wurde. Papst Nikolaus V. schrieb am 28. Juni 1448 an den Abt des Ägidienklosters
zu Nürnberg in der Bulle “Ea quae pro eclesia sticis“, dass die
Kasendorfer Kirche durch die böhmischen Ketzer “am Bau ruinös
geworden und ausgebrannt“ sei. (übrigens wurde auch die nahegelegene
Veste Lindenberg durch den Hussitensturm zerstört.
1534 werden im markgräflichen Landbuch Kasendorf als zu seinem
Amtsbereich gehörend aufgezählt im “Markt Catzendorf 34 markgräfliche
Behausungen, 2 Hofraiten, Schenkstatt, Badstube, Frieß-, Haus- und
Petzmühle;
Rauschner von Lindenberg zinst von einem Hof und 1 Behausung. Förtsch von
Peesten hat 6 Mannschaften ( = Lehenbauern), der älteste von Giech 4
Mannschaften, markgräfliche Lehen, leiden mit der Gemein; Gemeinde hat 1
Behausung, Widem (die Pfarrkirche) 15 kleine Behausungen, geben
Marktrecht“.
Außerdem gehören grundherrlich zum Kastenamt Kasendorf Güter in Heubsch,
Neudorf, Ober- und Untermenchau, ferner in bischöflich Bambergischem
Territorium in Zultenberg und in Modschiedel.

Not- und Kriegszeiten
Obwohl es während des Bauernkrieges von 1525 im Kulmbacher und
Bayreuther Land verhältnismäßig ruhig zuging, brandschatzte ein
Hollfelder Bauernhaufen das Thurnauer Schloss. Auch wurden das bischöfliche
Schloss Niesten, die Rittergüter in Görau, Peesten und Lindenberg zerstört.
Das Giech‘sche Schloss zu Buchau wurde von einer Schar Weismainer
niedergebrannt. Nach dem unglücklichen Ausgang ihrer Erhebung mussten die
Bauern alle von ihnen verursachten Schäden ersetzen. Dazu kamen noch
Strafgelder, Herdsteuer, 1525 die Abgabe des 20. Pfennigs (des 20. Teils
ihres Vermögens), 1527 die des 30. Pfennigs und 1532 die des 60.
Pfennigs.
So forderte die Edelfrau Dorothea Foertsch für die Niederbrennung ihres
Schlosses in Thurnau und die dabei erlittenen Verluste insgesamt 2 991
fl 2 Pfd. 12 Pfg., wovon ihr 2 697 fl 12 Pfg. erstattet wurden, während
Joachim Rauschner von Lindenberg nur 400 fl
aufrechnete.
Welche Schäden 1553 der Bundesständische Krieg, in dem am Conraditag die
Stadt Kulmbach in Schutt und Asche gelegt wurde, in Kasendorf anrichtete,
ist nicht bekannt.
Über das Elend und die Schrecken, welche der Dreißigjährige Krieg auch
über unseren Marktflecken brachte, nachdem es Unterfeldherrn Wallensteins
am 20. November 1632 gelungen war, Bayreuth zu nehmen, berichtet der
Chronist:
“Nachdem
1632 durch den feindlichen Einfall des Kaiserlichen Kriegsvolkes unter
Marchese de Grana der Markt hier ausgeplündert und in Brand gesteckt, und
bis auf etliche gar wenige Häuslein in der Veitgassen und etliche Stadeln
und zwei Mühlen gänzlich in Asche gelegt, was auch die Pfarr und Schul
von Grund aus ruiniert, ferner auch neben anderen die beiden Kirchenbücher,
die in höchster Eil auf den Mangelsturm gebracht wurden, von den Feinden
aber dort gefunden und verbrannt wurden.
Auch wütete
1634 eine grausame Pest in hiesiger Gemein welcher über hundert Personen
zum Opfer fielen.“
In einer
anderen Darstellung wird geschildert, dass die Soldaten des Grana “die
Ortschaft Kasendorf nicht blos ganz aussperlirt, das Rindvieh und Pferde
hinweggetrieben, den Markt mit Feuer angesteckt, den noch vorhandenen
Hausrat verbrannt, sondern auch noch die armen verscheuchten Leute in den
Hölzern und Steinklüften gesucht, dieselben wie das Vieh auf einen
Haufen getrieben, teils mit Schlägen mißhandelt, damit sie Verstecktes
oder Vergrabenes verraten, oder weggeführt und gegen hohes Lösegeld
freigegeben“. Aus dem Hutschdorfer Kirchenbuch ist ersichtlich, dass
‘unter Führung des Manteufel die Ortschaften Döllnitz, Katschenreuth,
Heubsch und Limmersdorf und besonders in Döllnitz großer Schaden
geschehen, da das ganze Dorf bis fünf Häuser und fünf Stadel in Asche
gelegt worden‘.
Nach dem Jahre 1633 scheinen die Hauptdrangsale aufgehört zu haben. Doch
weist das Taufregister aus dieser Zeit Einträge auf, aus denen wir
schließen können, dass noch des öfteren Soldaten unsere Gegend unsicher
gemacht haben. So manche zur Taufe gebrachten Kinder, so viele in Jammer
und Elend sitzengelassene Frauen waren dafür die lebendigen Beweise.
Zu plündern gab es in Kasendorf wenig mehr, denn Krieg und Pest hatten
arg gehaust. Ortschaften waren zerstört, die Felder verödet, die
Bewohner verarmt, die Gemeinde entvölkert. Waren im Jahre 1591 35
Geburten zu verzeichnen, so waren es in den Jahren 1636, 1637 und 1638 nur
noch je zwei. Erst 1682 wurde die frühere Geburtenziffer wieder
erreicht. Die Zahl der Verstorbenen betrug im Jahr 1633 über 118.
Die Bevölkerung lebte dann in steter Angst vor einem neuen Krieg, vor
allem vor der drohenden Türkengefahr, die 1663 schon ziemlich nahe war.
Zur Abwendung dieser Gefahr wurde das schon 100 Jahre zuvor aus gleichem
Anlass angeordnete Mittagläuten mit den 3x3-Nachschlägen wieder eingeführt.
In jener unruhigen Zeit, die Völker und Menschen durcheinanderwürfelte,
wurde manche fremde Leiche auf dem Friedhof von Kasendorf begraben. So ist
im Kirchenbuch zu lesen:
Hans Paul
Orbs, das sechs Wochen alte Kindlein eines Führers unter dem Thüringischen
Regiment, bei Worms bürtig, welches er, weil er lutherisch, vier Tage
todt mit sich herumtrug und an keinem katholischen Ort wollte begraben
lassen, bei Nacht auf unserem Gottesacker ohne Zeremonien eingraben ließ...
Als während des Siebenjährigen Krieges Prinz Heinrich von Preußen
im Mai 1759 in das Maingebiet einfällt, zieht eine seiner
Heeresabteilungen unter General von Itzenplitz von Kulmbach die “Alte
Straße“ entlang über das Gebirge. “Die glückliche Überwindung des
Defiles von Kasendorf wird auf einer zeitgenössischen Karte, die sich im
Kulmbacher Stadtarchiv befindet, eigens erwähnt. Nach dem Durchschreiten
des Engpasses stellten sich die preußischen Truppen auf der Hochfläche
zwischen Reuth und Welschenkahl in Schlachtordnung auf.
Ihre Gegner, aus Kroaten bestehende Teile der Reichsarmee, hatten sich bis
westlich Azendorf zurückgezogen und im Walde des Pfarrers ein Lager
errichtet. Dabei richteten sie durch Fällen von schwächeren und Schälen
von stärkeren Stämmen beträchtlichen Schaden an (Bericht im Turmknopf
der Kirche von Azendorf).
Im Jahre 1759 wird der Wirkungsbereich des markgräflichen
Vogteiamtes Casendorf folgendermaßen beschrieben: “im Markt 57 markgräfliche
Untertanen auf 3 halben Höfen 9 Viertelshöfen 23 Achtelshöfen, 5 halben
Achtelshöfen, 1 fünf Achtelshof, 1 dreieinhalb Achtelshof, 7 eineinhalb
Achtelshöfen (= 11 Höfe, 5 Achtelshöfe 1 halber Achtelshof), 2
mediate (von Künßberg) Untertanen auf 2 Gütern und einem halben
Achtelsgut“.
Bild:
GeschichteRentamt
Das ehemalige markgräfliche Rentamt gegenüber der Kirche lässt
noch heute durch seine stattliche Bauweise dessen ehemalige Bedeutung
erkennen. Der zweigeschossige Sandsteinbau wird durch Kranz- bzw.
Gurtgesimse gegliedert, die Fensterrahmungen sind geohrt und mit
Quastendekor
sowie im Obergeschoss mit ovalen Inschriftkartuschen .ersehen (“Befiehl
dem Herren . .“). Die barock verschnörkelten Initialen in der mit
1730 bezeichneten Monogrammtafel über der Toreinfahrt weisen auf den
vorletzten Bayreuther Markgrafen, Georg Friedrich Karl, hin. “Am 6.
und 7. Februar des Jahres 1793 schwuren die bisherigen Untertanen des
Markgrafen Alexander dem König von Preußen die Treue; 14 Jahre später,
am 2. Januar 1807 wurde dem Kaiser Napoleon der Treueeid geleistet.
Am 22. Juni verlangte der Kaiser von Österreich den Treueschwur, der aber
bald darauf von den Franzosen
wieder rückgängig gemacht wurde, und im darauffolgenden Jahre, am 9.
Juli 1810, wurden Rat, Beamtenschaft und Geistlichkeit unserer Stadt
(Kulmbach) auf den König von Bayern vereidigt. Das ist in 17 Jahren ein fünfmaliger
Wechsel in der staatlichen Zugehörigkeit.“
Bild: GeschichteGrenzstein
(Aus dem Heimatbuch des Marktes Kasendorf)