Heubsch

"Gruß aus Heubsch" – historische Postkarte

Kleiner Ort mit großer Geschichte

Im Jahre 1977 wurden in der Heubscher Siedlung beim Aushub von Baugruben dunkle Einfüllungen im hellen Tuffboden beobachtet, welche auch vorgeschichtliche Scherben enthielten. Wie auch im benachbarten “Flur‘ in Richtung Kasendorf handelte es sich um kellerartige ehemalige Vorratsgruben, die meist in der Nähe von Wohnhäusern angelegt und später mit Abfall verfüllt wurden.

Hierdurch wurde eine alte Vermutung bestätigt, dass die leichte Erhöhung im alten Überschwemmungsgebiet des Friesenbaches schon vor etwa 2500 Jahren bewohnt gewesen war.

Ein Schlackenhaufen (Flurname von 1534: “Sinterhaufen“!), auf dem das Wirtshaus Herold steht, zu welchem die “Schlackengasse“ führt, deutet auf die Verarbeitung von Eisenerz an diesem Ort. Ob hier bereits in vorgeschichtlicher Zeit oder erst im frühen Mittelalter Raseneisen- oder Brauneisenerz verhüttet wurde, kann nicht entschieden werden, da entsprechende Funde bisher fehlen.

Ähnlich wie bei der “Unteren Hammermühle“ bei Döllnitz könnte hier ein Pochwerk gestanden haben, wo mit Hilfe der Wasserkraft (vom Friesenbach abgeleitet) das Eisenerz durch Stoßen zerkleinert wurde.

Auch bei der Hammermühle belegt eine Schlackenhalde, dass das hier zerstoßene Erze in der unmittelbaren Nähe geschmolzen wurde.

Bei Kanalisationsarbeiten kam vor über 10 Jahren aus zwei Meter Tiefe ein Randscherben mit Wellenmustern ans Tageslicht, den Dr. K. Schwarz in die Karolingerzeit datierte (um 800 nach Chr.). Dieser Scherben beweist, dass Heubsch einige Jahrhunderte älter ist als Kasendorf!

An einer anderen Stelle wurden im Ortsbereich Pfostengruben angeschnitten, welche Keramik des 10/11. Jahrhunderts enthielten.

Einige Historiker gehen davon aus, dass sich in Heubsch ein Familienverband angesiedelt hat, welcher, wohl in königlichem Auftrag, die Besatzung der Burg auf dem nicht weit entfernten Turmberg zu stellen hatte.

Dieses legt auch die Deutung des Ortsnamens nahe, den Erich Freiherr von Guttenberg vom mittelhochdeutschen Wort hiwiske ableitet, welches “Familie, Hausgenossenschaft oder auch Familienbesitz bedeutet.

Die Burg in “Heibsch“

Im Jahre 1333 wird der Ort im Zusammenhang mit den Rittern von “Heybesch“ erstmals urkundlich erwähnt. Ab 1395 sprechen die Urkunden von “Heybscher“ Adeligen von Mistelgau, welche hier künftig ansässig sind.

1398 empfängt der Förtsch von Thurnau “das Haus zu Heibsch in dem Graben“ zu burggräflichem Lehen. Diese Tatsache bestätigt auch das bischöflich-bambergische Lehensbuch 1399: “Förtsch von Thurnau hat zu bisch Bamb Lehen 1/3 an der Burg (in castro) Heibsch“.

Dass es sich bei einem solchen “Haus“ nur um einen kleinen ebenerdigen Ansitz gehandelt haben kann, wissen wir von vergleichbaren Anlagen, wie etwa dem Unterauhof bei Mainleus. Man vermutet, dass sich die kleine Wasserburg (ein Haus auf einem “Kernhügel“, der von einem Wassergraben umgeben war), ehemals im sumpfigen Gelände hinter dem Anwesen Hs.-Nr.3 befunden hat.

Im Landbuch von 1534 wird unter Kasendorf aufgeführt, dass die Adeligen nur die “Frevelgerichtsbarkeit innerhalb der Hofraite“ innehaben, während der Markgraf die hohe und niedere Gerichtsbarkeit für sich beansprucht.

Wegen des “Blutbannes“ gab es noch über Jahrhunderte hinweg zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen den Markgrafen und den Förtsch und Giech.

Der 30—jährige Krieg brachte auch bei uns Leid und Schrecken mit sich. So wurde “Heibsch“ am 24. April 1634 von Kroaten überfallen und an allen Ecken angezündet. Hierbei sollen einige Kinder in den Flammen umgekommen und eine Anzahl Erwachsener ermordet worden sein.

Unter Giechscher Herrschaft

Allmählich brachten die Herren Giech von Thurnau und Buchau das ganze Dorf unter ihre Zinsbarkeit, während die Kirche von Kasendorf auch weiterhin den Zehnt von den Heubscher Bauern beanspruchte (so 1534 den Getreide- und den ‘lebenden Zehnt“ von 25 Gütern).

Nach mannigfachen Streitigkeiten über die Jagd sowie die ‘fraischliche“ Obrigkeit, den Blutbann, verhandelte Carl Gottfried mit dem Bayreuther Markgrafen über eine Abtretung der “hohen Obrigkeit“. Da er in das fränkische Grafenkolleg aufgenommen werden wollte, war dieses für ihn auch eine Prestigefrage. Weil sich Markgraf Christian Ernst gerade in einer schwierigen finanziellen Lage befand, war der Zeitpunkt günstig gewählt. Nach schwierigen Verhandlungen gelang es dem angehenden Grafen im Jahre 1699 tatsächlich, dem Markgrafen die “hohe und fraischliche Obrigkeit, Cent und Blutbann ... in und umb Thurnau sodan Peesten und deren Zugehör ... für eine Summe von rund 45 000 rheinische Gulden abzukaufen.

Nachdem am 26. Mai 1699 in Bayreuth der Hauptrezeß unterzeichnet worden war, wurden in einem Nebenrezeß vom 30. Mai 1699 die noch strittig gebliebenen Fragen geregelt. So wurde es den Heubschern freigestellt, ihr Bier trotz der an Giech “zedierten“ Schankgerechtigkeit nach Gutdünken in Kasendorf oder in Giechischen Orten zu ho1en. Auch versicherte der Markgraf den Untertanen von Heubsch und Döllnitz, die beide nach Kasendorf eingepfarrt waren, dass sie ‘auf ewige Zeiten‘ ungestört der Augsburgischen Konfession anhangen sollten (Es waren gerade Eheverhandlungen zwischen dem Erbprinzen Georg Wilhelm und einer katholischen, polnischen Prinzessin im Gange!).

Die Anfertigung einer Karte vom Territorium der Grafschaft Giech durch den Nürnberger Kartografen Joh. Bapt. Homann lässt den Stolz über die nun endlich erreichte hohe Gerichtsbarkeit erkennen.

Die Aufstellung von 45 mannshohen Centsäulen, die auf der Innenseite das Giechsche Wappen sowie die Jahreszahl 1699 und auf der Gegenseite den Hohenzollernschild zeigen, bildete den endgültigen Abschluss der Centeinsetzung.

Heute zeugen nur noch 24 dieser mächtigen Grenzsteine von den einstigen Grenzen des gräflichen Blutbannes.

Geschichte der Schule

Wahrscheinlich hatte Heubsch in der Markgrafenzeit (nach dem 30-jährigen Krieg) bereits eine Schule. Wie weit die Anfänge zurückliegen, kann nicht festgestellt werden. 1809/10 wird als Schulhalter der Zimmergeselle Johann Georg Heyerth genannt. Er war nicht eigens, wie die Schulmeister in anderen Orten, für das Schulfach ausgebildet worden, sondern unterrichtete die Kinder, wie es in seinen Kräften stand. Ihm folgte der letzte Schulhalter, Johann Hofmann aus Heubsch, der von 1810 bis 1847 “getreulich und gewissenhaft“ sein Amt versah.

Die Schulhalter versammelten ihre Schüler entweder im eigenen Haus oder zogen mit ihnen alle 8 oder 14 Tage von einem Haus zum andern. Hofmann hielt lange Zeit die Schule im eigenen Haus bzw. im Anbau. Erst 1841 wurde von der Gemeinde das Haus Nr. 9 angekauft und als Schulhaus  verwendet.

Nach dem Tode Hofmanns erhielt die Schule Heubsch das Verweserstatut. 1848 zog der Expektant Bedau von Langenstadt in Heubsch als erster vorschriftsmäßig ausgebildeter Lehrer auf. Mit ihm wechselten die Schulverweser in den folgenden 60 Jahren etwa dreißigmal. 1909 wurde die bisherige Verweserstelle in eine definitive Schulstelle umgewandelt.

1964 wurde die Schule geteilt. Die unteren Jahrgänge 1 bis 4 blieben in Heubsch, während die oberen Jahrgänge 5 bis 8 als Gastschüler nach Kasendorf kamen. Dadurch konnte die Verbandsschule Kasendorf vierklassig werden. Im Zuge der Neugestaltung des Schulwesens in Bayern wurde die einklassige Schule Heubsch mit Wirkung vom 1. September 1965 für aufgelöst erklärt. Bis zur Fertigstellung des Erweiterungsbaus der Verbandsschule Kasendorf blieben alle Schüler noch in ihren bisherigen Schulorten und Schulhäusern, mit Ausnahme der Oberstufe von Heubsch. Ab September 1967 wurde auch der Umzug der Unterstufe nach Kasendorf vollzogen, und damit hatte die Schule Heubsch aufgehört, zu bestehen.

(Aus dem Heimatbuch des Marktes Kasendorf)

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