Geschichte des Ortes Peesten

Quelle: Heimatbuch der Gemeinde Kasendorf

Erste urkundliche Erwähnung:

Die Ortschaft Peesten wurde 1294 das erste Mal urkundlich erwähnt (ritterliche Dienstleute "militares" der Förtsche "von Besthen"). Wann jedoch die Siedlung genau entstanden ist, ist nicht feststellbar. Die frühesten Ortsnamen lassen bereits auf eine slawische Siedlung schließen.

Deutung des Ortsnamens:

Alte Urkunden belegen folgende Schreibweisen: Besthen (1294/95), Pesten (1398), Pyesß (1398), Besten (1492), Pestenn (1531), Peesten (1658).
Maßgebliche Forscher neigen zu der Ansicht, dass die Namensform "Pyesß" die lautlich älteste ist. Sie führen sie zurück auf das altslawische "pesuku = Sand", das obersorbisch als "pesk" bezeichnet wird oder von "pescane mesto = sandiger Ort" abzuleiten ist.

14. – 16. Jahrhundert:

Die Geschicke des Ortes sind eng verbunden mit den Adelsgeschlechtern der Förtsche und der von Giech. Im Jahre 1373 empfingen Förtsche "daz Beste", das sie von den von Waldenfels gekauft hatten.

Im Landbuch der Herrschaft Plassenberg von 1398 ist nachzulesen, dass Peesten damals burggräfliches Lehen der Förtsche war.

1488 erhielt Martin Förtsch "das Dorf Besten halp" als väterliches Erbe. 1492 belehnte Markgraf Friedrich den Jorg Förtsch "mit dem newen Sitz zu Besten...". Aus dem Jahre 1516 ist zu entnehmen, dass sich wiederum 2 Förtsche, Martin und Jorg, die Besitzungen in Peesten teilten, denn jeder erhielt einen Sitz und das halbe Dorf zu brandenburgischem Lehen.

Der zu Peesten gehörende Ortsteil Dörnhof ist als eine Nachsiedlung des späten 15. Jahrhunderts anzusehen. Erstmals wurde er urkundlich 1492 erwähnt. Der Name deutet darauf hin, dass es sich ursprünglich um einen Einzelhof handelte. Dr. Freiherr v. Guttenberg leitet den Namen vom mittelhochdeutschen "dorn" = "Strauch" ab.

1531 ist verzeichnet, dass "die zwei Schlos oder Sitz zu Pesten samt dem Dorf und allen Gütern, der Schenkstatt, der Mühle, der Badstuben, dem Schafflecken und aller derselben, was dazu gehört nicht ausgenommen, zu Dorf und zu Feld", die Gebrüder Förtsch von der Herrschaft Brandenburg zu Lehen hatten, außerdem 2 Höfe und 2 Sölden auf dem Dörnhof.

Die beiden Rittersitze wurden im Markgrafenkrieg 1553/54 zerstört. Vor der Zerstörung besaß den einen Jorg Förtsch und den anderen sein Bruder Albrecht Förtsch, und beide hatten ihre Untertanen im Ort. Aus dem Lehensverzeichnis von 1811 über das Rittergut ist die damalige Lage der beiden Gebäude leicht zu rekonstruieren. Demnach dürfte eines der Gebäude an der Stelle der späteren Tanzlinde zwischen Kirche und Schenkstatt gestanden haben. An der Stelle des anderen Rittersitzes wurde 1725 von Carl Maximillian von Giech das heute noch stehende Schloss, im Lehensverzeichnis als "Amtshaus" bezeichnet, errichtet.

Nach dem Tode des "Jorg Förtsch zu Peesten, der eltest und letzte" am "Charfreitag" (31. März) l564 in Peesten erlosch das Geschlecht, dessen Name erstmals im Jahre 1223 mit Arnoldus Forsco de Menegowe (Menchau) urkundlich in Erscheinung trat.

Nun erbten die Schwiegersöhne des bereits im Jahre 1551 ohne Manneserben verstorbenen Wolf Förtsch von Thurnau die Peestener Besitzungen. Es waren dies: Hans Georg von Giech, Amtmann zu Niesten, weiter Johann Friedrich von Künßberg, Hauptmann zu Kulmbach und Siegmund Fuchs von Rügheim.
Da Fuchs v. Rügheim sein Erbteil sehr bald an die anderen 2 Erben abtrat, ist dieser als tätiger Erbe hier nicht in Erscheinung getreten. Von Giech und von Künßberg teilten sich nun den Besitz, wobei Peesten an die Herren von Giech fiel.
Während der Zeit von 1558-1629 werden in den auffindbaren Urkunden, Lehensbriefen und Lehensreversen konstant 5 Höfe und 21 Söldengüter genannt, für den Weiler Dörnhof 2 Höfe und 2 Söldengüter. D. h., dass in diesem Zeitraum in Peesten insgesamt 30 Anwesen bestanden hatten.

Dreißigjähriger Krieg 1618 – 1648:

Die Aufzeichnungen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges lassen erkennen, wie Truppendurchzüge, plündernde Streifscharen und Einquartierungen Not und Elend in das Dorf brachten.

Pfarrer Joh. Aug. Braun aus Melkendorf berichtet, dass am 16. Januar 1633, gerade als er in Melkendorf Gottesdienst hielt, plötzlich Feinde, aus dem Städtchen Weismain kommend, einfielen. Es hieß, der Feind habe die Dörfer Peesten und Proß geplündert und sich wieder davongemacht. Bei dem Einfall hatten sie den Pfarrer (Johann Reuter) von Peesten, einen ehrenhaften und frommen Mann, der erst tags zuvor aus Kulmbach nach Hause gekommen war, gefangen fortgeschleppt. Er musste sich durch ein schweres Lösegeld die Freiheit wieder erkaufen.

"Am 22. März 1634 weilten die unwillkommenen und frechen Gäste (gemeint war weimarische Reiterei!) in den Dörfern Peesten, Proß und Umgegend und pflegten ihren Brauch zum Entsetzen der Einwohner. Am folgenden Tage blieben die Räuber am gleichen Ort im Quartier (vielleicht, um mit Fleiß das markgräfliche Land umso ausgiebiger zu verheeren).

Am 24. März lagen die Reiter noch in der Nachbarschaft im Quartier, plünderten alle, die ihnen in den Weg kamen, ohne Unterschied des Standes und des Geschlechtes, schleppten Pferde, Kühe, Schweine, Hühner, Getreide und andere Lebensmittel fort, so dass auch die reichsten Bauern in größte Armut kamen...

Die Bagagewagen waren mit unermesslicher Beute beladen, die die Räuber aus der Umgegend zusammengebracht hatten. Um aber doch ja ein Andenken an ihre Grausamkeit zu hinterlassen und um den Bauern einen Verdruss zu machen, zündeten sie noch das Dorf Peesten, wo sie, wie schon erwähnt, einige Tage gelegen waren, an und legten es in Asche.

Man sagt, 16 Wohnhäuser und Scheunen seien im Laufe einer einzigen Stunde zum unberechenbaren Schaden der Einwohner den Flammen zur Beute geworden."

Zu den Wirren des Krieges kam noch die schreckliche Pest hinzu, die Peesten fast ganz entvölkerte. Im Jahre 1634 starben allein 103 Personen, worauf Pfarrer Reuter den menschenleeren Ort verließ.

Eine weitere schwere Belästigung war auch die Wolfsplage, die selbst über das Kriegsende hinaus noch anhielt. Im Dezember 1649 liefen die Wölfe zu Rudeln in die Dörfer und trugen die Hunde von den Ketten weg, wenn sonst nichts zu haben war.

17./18. Jahrhundert:

In Peesten waren 1656 noch 5 Höfe, "davon einer öd und 21 Selden, davon 13 öd", genannt. Der Weiler Dörnhof blieb wahrscheinlich von Brand und Zerstörung verschont, weil hier keine "öden" Anwesen aufgeführt werden.

Durch eine Brandstiftung im Jahre 1754 wurden in Peesten 22 Gebäude ein Opfer der Flammen. Die Brandstifter, Mutter und Sohn namens Dennstädt, wurden dem Gericht in Thurnau übergehen. Beide wurden zuerst enthauptet und dann auf einem Holzstoß verbrannt. Das waren die letzten Hinrichtungen (1755) in Thurnau.

Deutsch-französischer Krieg:

Während der napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde auch Peesten von Einquartierungen fremder Truppen betroffen. Über diese Notzeiten, die das Dorf damals ertragen musste, schrieb Ortsvorstand Johann Hahn im Jahre 1822:

"Denkt Euch einmal, geliebte Nachkommen, was für eine traurige Zeit Eure Voreltern erlebt haben .... was wir für Vorspann nach Bayreuth, Hof und Bamberg haben tun müssen und für Lieferung an Hafer, Heu und Stroh, und noch Millionen guldenweise Contribution bezahlen mußten."

Am schlimmsten waren in diesen Schreckensjahren von 1807 1812 die vielen Einquartierungen. Vor allem Franzosen und Russen, mehrmals über einige Monate hinweg, mit Tausenden von Soldaten und Pferden mussten in dem kleinen, knapp 50 Häuser zählenden Dorf untergebracht und verpflegt werden.

20. Jahrhundert:

Wenn auch in den folgenden eineinhalb Jahrhunderten bis in unsere Zeit herein beschaulichere Ruhe im Orte einkehrte und die rein bäuerliche Bevölkerung ihrer gewohnten täglichen Beschäftigung in Haus, Hof und Feld nachgehen konnte, so gingen doch die großen weltpolitischen Ereignisse und ihre Folgen nicht spurlos an dem Dörflein vorüber. Wie das ganze Land musste es auch in den Kriegen seinen Blutzoll zahlen.

Kellerfest 5./6.Aug.2017


Gregori

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